Dienstag, 17. Juli 2018 von Holger Much

Knuddeln mit Vizemeistern

So ganz persönlich, ich gebe es zu, kann ich mit Sport im Allgemeinen und mit Fußball im Besonderen nicht viel anfangen. Da fehlt mir ein besonderes Gen, das man benötigt, um in sportlichen Aktivitäten anderer oder im Denken in Mannschaften und Tabellen Faszination zu finden.

Die Freude, die jüngst in Albstadt zu spüren war, kurz nachdem die WM entschieden war, hat mich aber dennoch berührt. Die paar wenigen Autos mit französischen Flaggen, die von Fahrern mit glücklichen Gesichtern durch die Straßen gelenkt wurden, Kroaten, die begeistert ihren zweiten Platz feierten und mich, als ich Fotos für den ZAK machte, einfach mal spontan umarmten, all das fand ich herzerwärmend. Dass Fußball auch anders kann, dass es auch Aggression und Gewalt gibt, weiß ich. Hier jedoch begegneten sich teils wildfremde Menschen, beglückwünschten sich und freuten sich für den anderen.

Es ist schön, so etwas erleben zu dürften – gerade in den heutigen Zeiten.

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Samstag, 14. Juli 2018 von Holger Much

Der Mehltau beschäftigt

Mit so einer großen Resonanz hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Vielen herzlichen Dank. Vor wenigen Tagen hatte ich um Tipps gegen Mehltau gebeten. Das Thema scheint wirklich vielschichtig zu sein.

Eine freundliche Dame hat mir nicht nur am Telefon von der Möglichkeit erzählt, mittels eines aus Ackerschachtelhalmen (Zinnkraut) gekochten Sudes den bösen weißen Belag zu bekämpfen. Sie hat mir freundlicherweise sogar ein Paket mit den wirkkräftigen Halmen in die Redaktion geschickt. Eine andere Dame schwört auf etwas namens „effektive Mikroorganismen“, die am besten präventiv angewendet werden sollten. Auch frische Bio-Kuhmilch soll gegen die Pilze helfen.

Ich lernte zudem, dass es falschen und echten Mehltau gibt, der eine mag Feuchtigkeit, der andere ist ein Schönwetterpilz. Einfach abschneiden, riet mir jemand. Eine ganz Reihe von Leuten gaben an, selbst ratlos zu sein und baten mich, ihnen von den mir zugetragenen Lösungsmöglichkeiten zu berichten, was ich hiermit gern tue.

Eine Bekannte, die in einem Pflegeheim arbeitet, fragte zudem die betagten Bewohner. Die rieten zu Spritzmitteln. Als die Bekannte abwinkte und meinte, man wolle nichts Chemisches, richtete man ihr aus, dann solle ich einfach die Finger vom Anbau von Träuble lassen.

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Freitag, 13. Juli 2018 von Daniel Seeburger

Hühner mit Regenjacken

Als Halter von sechs Gartenhühnern schaut man natürlich auch in einschlägigen Gruppen bei Facebook vorbei, um sich Tipps geben zu lassen. Da habe ich beispielsweise mitbekommen, dass das Federvieh sehr gerne Apfelwickler verspeist. Und zwar bevor die sich in die Äpfel eingenistet haben und die Frucht wurmstichig wird. Doch wie fast alles auf der Welt, ist nicht alles uneingeschränkt gut. Soll heißen, meine Hühner fressen zwar den Schädling auf, setzen sich dann aber mit größter Freude auf den Apfelbaum und genießen die Aussicht. Mit der Folge, dass sich die Äste biegen und zu brechen drohen. Aber das ist nicht das einzige Problem. Die Vögel knabbern die Äpfel an. So habe ich nicht nur keine Würmer mehr in den Äpfeln, ich habe überhaupt keine Äpfel mehr. Ein Obstnetz über dem Baum schafft Abhilfe. Dafür muss ich nun tagtäglich die vorwurfsvollen Blicke meiner gackernden Damen aushalten. Das sind kleine Probleme angesichts der Dramen, die sich da in der Hühnergruppe bei Facebook abspielen. Was er denn bei Regen mit seinen Hühnern tun solle, wollte da ein frischgebackener Hühnerhalter wissen. Seine Vögel hätten Regenjacken im Stall hängen, antwortete ein Witzbold. Ganz im Ernst: Meinen Hühnern macht Regen nichts aus. Und wenn er ihnen dann doch zu heftig wird, kommen sie von selbst in den Stall. Um die Regenjacken zu holen.

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Mittwoch, 11. Juli 2018 von Rosalinde Conzelmann

Zehn Worte für eine Welt

Es ist dieser eine Satz, der mir nicht aus dem Kopf geht und der heute mehr denn je gehört werden sollte. In einer Zeit, in der Europa und unsere Regierung am Asylstreit zu zerbrechen drohen. Der große Knall ist zwar vorerst aus Machtkalkül ausgeblieben, aber der Kompromiss, der glücklicherweise nun doch noch gefunden wurde, ist zerbrechlich und spaltet unser Land weiter. „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht.“ Zehn Wörter nur, die die Lösung sein könnten. Der, der sie spricht, ist der Oberhirte der katholischen Weltkirche. In der Dokumentation „Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders sagt Franziskus diesen Satz – eindringlich, schlicht, mit einem Lächeln auf den Lippen. Zuvor hat man den Pontifex auf einem Schiff in Lampedusa, in einem Flüchtlingslager in Lesbos gesehen. Mitfühlend und verständnisvoll für die Schicksale dieser Heimatlosen schaut er nicht weg. Die mächtige Kirche kann ja helfen mit ihrem auf Kosten anderer angehäuften Reichtum, mit ihrer Scheinheiligkeit, werden Kritiker sagen. Ja, das kann sie. Aber wir können es auch, denn: „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht“ – und, ob uns dieser Satz gefällt oder nicht.

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Dienstag, 10. Juli 2018 von Klaus Irion

Gelb-rot-gelb und schwarz-rot

In meinem Viertel weht in einem Privatgarten seit geraumer Zeit die schwarz-gelbe Landesfahne Baden-Württembergs. Einst geboren aus der schwarz-roten Flagge Württembergs und der gelb-rot-gelben Flagge Badens. Während man die württembergische Flagge heute in der Öffentlichkeit nur noch selten antrifft, ist die badische Flagge populärer denn je. Ein Blick in die Fußballstadien in Freiburg oder Karlsruhe genügt. War dies bislang eher der folkloristischen Heimatverbundenheit geschuldet, hat sich in Karlsruhe nun ein hochoffizieller, politischer Streit daran entzündet, dass das Stuttgarter Staatsministerium verboten hat, weiterhin die badische Flagge auf dem Karlsruher Schloss zu hissen. Der badische Protest wird täglich größer. Eine Online-Petition zur Wiederzulassung der badischen Flagge auf dem Schlossdach läuft und hat bereits über 10 000 Unterstützer. Übrigens auch von schwäbischer Seite. Der Streit passt in unsere Zeit. Je massiver die unübersichtliche Globalisierung, desto größer die Sehnsucht nach überschaubarer Regionalität. Bereits Ende der 1990er-Jahre habe ich (Badener) gemeinsam mit einem Mitstudenten (Schwabe) die Frage der zunehmenden Regionalisierung im Fußball in einer internationalisierten Welt als Zwischenprüfungsarbeit analysiert. So lange her und doch so aktuell.

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