Samstag, 16. März 2019 von Benno Schlagenhauf

Zollernclubs erobern Europa

Leverkusen raus, BVB und Schalke ausgeschieden, selbst die Bayern sind in den europäischen Fußballwettbewerben nicht mehr vertreten. Für viele ist das Anlass genug, einen Abgesang auf den deutschen Fußball anzustimmen.

Aber da ist ja auch noch die Eintracht Frankfurt, die als letztes verbliebenes Team die Fahne der Bundesliga hochhält. Über deren Einzug ins Viertelfinale der Europa League dürfen sich auch drei Fußballteams aus dem Südwesten – darunter zwei Zollernclubs – mitfreuen.

Nach dem Sieg der Frankfurter über Inter Mailand reihte sich in die Liste der Gratulanten auch eine Fanseite des SSV Ulm ein. Die Glückwünsche waren jedoch mit einem bittersüßen Augenzwinkern versehen, denn der Gratulant erinnerte an das DFB-Pokalaus der Eintracht gegen den Regionalligisten. Scherzhaft stellte er folgenden Vergleich auf: „Inter Mailand < Eintracht Frankfurt < SSV Ulm 1846.“

Demnach dürfte sich auch der „Pokalsiegerbesieger“ ein bisschen als Viertelfinalist fühlen.

Doch diese Rechnung kann man noch weiterführen. Schließlich erkämpfte die TSG Balingen kürzlich einen sensationellen Heimsieg im Derby gegen den Ulmer Traditionsclub.

Die TSG verlor wiederum im WfV-Pokal gegen den FC 07 Albstadt. Damit sind auch die beiden Zollernclubs Sieger über Mailand.

Frankfurt sollte also besser den Pott holen. Es geht schließlich nicht nur um den deutschen Fußball, sondern auch um die Ehre des Fußballbezirks Zollern.

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Freitag, 15. März 2019 von Volker Bitzer

Bio grotesk

Es sieht ganz danach aus, als würden die Deutschen zunehmend Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel legen. Was für unsere Nachbarn in Frankreich oder Italien schon seit jeher gang und gäbe ist, setzt sich langsam aber sicher auch in den Köpfen hierzulande fest: Lieber frisch und möglichst bio als aus der Dose oder dem Glas. Die üblichen Supermärkte und gängigen Discounter haben den Trend erkannt und sich auf den Biozug aufgeschwungen. Die Frage ist nur wie.

Da liegen in transparente Frischhaltefolie eingepackte Biogurken direkt neben den uneingepackten Nicht-Bio-Vertretern. Bio-Bananen sind mit einem bunten Plastik-Klebeband umschnürt, die Normal-Bananen hängen am Haken oder liegen so in der Pappschachtel. Bio-Tomaten werden genauso in Kunststoff-Schalen mit Klarsichtfolie angepriesen wie ihre roten Verwandten ohne den Bio-Aufdruck. Die Spitze des Treibens zeigt sich bei Pomelos. Die Pampelmusen-Verwandten sind häufig in eine schalenenge Folie verschweißt und dann zusätzlich noch in ein Kunststoff-Netz gewickelt.

„Was soll das?“ fragt sich zwangsläufig ein halbwegs kritischer Verbraucher bei diesem Unsinn. Da wird auf der einen Seite mit dem Bio-Siegel geworben und dann andererseits ungeniert Verpackungsmüll generiert. Bio ist gut, dann aber bitteschön vom Produkt bis hin zur Verpackung.

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Mittwoch, 13. März 2019 von Pascal Tonnemacher

Sprachliche Nuancen

wer meine Tagebücher liest, kennt meinen Faible für Künstliche Intelligenz und Sprachassistenten. Natürlich verleugne ich nicht deren Schwächen. Selbst deutlich sprechende Erwachsene verzweifeln schon mal an Alexas Fähigkeit, Gehörtes richtig zu interpretieren. Noch schlimmer ergeht es einem Dreijährigen, der – dem Sinn nach – bereits eine Menge fragen und sagen kann. Hier kommt der Lieblingsskill (ein Skill ist eine Art Programm als Teil von Alexa) unserer Kinder ins Spiel: Wie macht Tier XY? Alexa hat einen Haufen echte Tierlaute, aber auch Humor auf Lager: Wie Einhörner zum Beispiel machen (eigentlich wollte der Große nach Eichhörnchen fragen, sagte aber so etwas Ähnliches wie 'Einhörzen'), weiß Alexa nicht. Denn, so sagt Alexa im Flüsterton, die reden immer so leise. Und wer den Song „What does the fox say“ noch kennt, kann sich Alexas Antwort auf „Wie macht der Fuchs?“ schon denken. Der Große kennt den Song nicht, wollte rechtzeitig zur Kinderfasnet wissen, wie er sich in seinem Kostüm zu verhalten hat und fragte die schlaue Alexa. Die sagte dann aber nicht „wahrheitsgetreu“ Ring-ding-ding-ding-dingeringeding, sondern was ganz anderes. Denn statt Fuchs, fragte er nach dem „Futz“. Alexa verstand Furz. Wie für alles, gibt es auch einen Skill, der auf Abruf verschiedene Arten von Fürzen abspielt. Sagen wir mal so: Die Kinderfasnet war zwar witzig, aber für nächstes Jahr näht meine Frau wohl lieber ein anderes Kostüm.

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Dienstag, 12. März 2019 von Olga Haug

Versehentlich öko

Kennen Sie den Begriff „accidentally vegan“? Und alle Veganer schreien „Ja!“. Wörtlich übersetzt bedeutet er „versehentlich vegan“ und bezeichnet Lebensmittel, die vegan sind, ohne dass dies vom Hersteller gezielt beabsichtigt wurde und ohne dies explizit zu bewerben. Hierzu kann ich aber leider nur ein einziges Beispiel nennen. Denn ich ernähre mich nur sporadisch vegan – also irgendwie „accidentally vegan“.

Was ich an dieser Stelle aber möchte, ist einen neuen Begriff prägen: „accidentally free of plastic“ (versehentlich plastikfrei). Im Öko-Laden meines Vertrauens habe ich mich neulich überschwänglich gefreut, als ich Sicherheitswattestäbchen für Kinder entdeckt hatte, die ausschließlich aus Bio-Baumwolle und einem Papierschaft bestehen und ausdrücklich auch als solche beworben werden: plastikfrei! Zu Hause schaute ich abfällig auf die Verpackung der Wattestäbchen, die ich sonst immer gekauft hatte und stellte beschämenderweise fest: ausschließlich Bio-Baumwolle und ein Papierschaft – und halb so teuer.

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Dienstag, 5. März 2019 von Klaus Irion

Närrisch bin ich nicht

Du musst doch von Haus aus närrisch sein, wenn du aus St. Georgen stammst. Diesen Satz höre ich alljährlich während der Fasnet. Ja, es stimmt. St. Georgen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu schwäbisch-alemannischen Fasnetshochburgen wie Villingen und Triberg. Auch Rottweil ist nicht allzu weit entfernt. Und dennoch: St. Georgen ist keine Fasnetshochburg. Zwar gibt es dort seit über 50 Jahren die Zunft der Fohrebobbele. Doch so wirklich Fuß gefasst hat die Narretei nie. Das mag an der wechselvollen Geschichte der Stadt liegen. Zwar katholischen Klosterursprungs, wie der Name schon ahnen lässt, wurde St. Georgen nach weltlichen und geistlichen Irrungen und Wirrungen nach dem Dreißigjährigen Krieg endgültig dem evangelischen Württemberg zugeschlagen. Diese „Okkupation“ dauerte rund 160 Jahre, dann wurde St. Georgen durch die napoleonischen Gebietsreformen wieder badisch. Doch die Bevölkerung blieb bis zum heutigen Tag mehrheitlich evangelisch und damit weit weniger närrisch als die sie umgebenden katholischen Lande. Auch ich bin alles andere als närrisch. Im Zweifelsfall schnalle ich mir in dieser Zeit lieber die Ski an die Füße. Jeder nach seiner Façon.

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