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Dotternhausen, 03.03.2018

Zweifelhafte Methoden im Kampf um den Berg

Vertreter der Bürgerinitiativen um den Kalksteinabbau in Dotternhausen sind sicher: Kröten auf dem Plettenberg verkrüppeln durch Sprengstoffrückstände. Verschiedene Fachleute widersprechen dieser Behauptung jedoch. 

Eine verkrüppelte Kreuzkröte auf dem Plettenberg – Norbert Majer, Sprecher der Dotternhausener Bürgerinitiative, wandte sich vergangene Woche mit dem Bild des Tiers an unsere Zeitung. Seine Vermutung: Die Kröte, deren Aufnahme bereits vom Juli 2016 stammt, habe ihre Verkrüppelung, wie die BI sagt, durch die Rückstände von Sprengstoff oder Öl vom Steinbruch erlitten. „So etwas haben Frosch-Fachexperten noch nicht gesehen“, kommentierte Norbert Majer das Krötenbild.

Ein durch Sprengstoff- oder Ölrückstände verkrüppeltes Tier, sagt die Bürgerinitiative. Fachleute von NABU und Wilhelma widersprechen: Die Kröte sei schlicht von Parasiten besiedelt.
Ein durch Sprengstoff- oder Ölrückstände verkrüppeltes Tier, sagt die Bürgerinitiative. Fachleute von NABU und Wilhelma widersprechen: Die Kröte sei schlicht von Parasiten besiedelt. Foto: Bürgerinitiative

Auf die Frage, warum er sich mit der Aufnahme erst vergangene Woche an die Öffentlichkeit wandte, erklärte er, dass die BI bis vor wenigen Tagen nur eine seitliche Aufnahme des Tiers hatte. „Ohne klare Beweise verbreiten wir nichts“, fügt Majer an. Was das Bild zeigt: eine etwas eingestaubte Kröte, die auf einer Hand sitzt. Entstanden sei es bei einer öffentlichen Exkursion, erklärt die BI. Und tatsächlich fällt auf: Die Kröte hat braune Löcher im Gesicht, etwa dort, wo sich die Nasenlöcher befinden. Eine angeborene Missbildung aufgrund von giftigen Steinbruchrückständen also?

Fachleute widersprechen

Isabel Koch ist wissenschaftliche Kuratorin an der Stuttgarter Wilhelma. Dort ist sie unter anderem für Amphibien zuständig. Wir haben ihr das Bild gezeigt. Zwar könne sie nicht mit abschließender Sicherheit sagen, dass es sich bei der Kröte um eine Kreuzkröte handelt. „Das lässt sich wegen des Staubs nicht mit letzter Gewissheit erkennen“, erklärt sie. Die Verkrüppelung, die die BI jedoch ausgemacht haben will, sieht die Kuratorin nicht. Auf unsere Anfrage erklärt sie schriftlich: „Zu erkennen ist auf der Aufnahme, dass die gezeigte Kröte von einer parasitierenden Fliege befallen sein dürfte. Diese Fliegen legen ihre Eier in Nasenhöhlen und an die Augen lebender Kröten. Die schlüpfenden Larven fressen die Kröte sozusagen bei lebendigem Leib auf. Kennzeichen dafür sind stark erweiterte Nasenlöcher (manchmal sieht man die Fliegenlarven darin) und später auch leer gefressene Augenhöhlen.“ Sprengstoffrückstände, gar vergiftetes Wasser schließt sie als Ursache für diese Erkrankung aus. „Der Befall mit diesen Parasiten hat mit dem Steinbruch als Lebensraum nichts zu tun“, sagt sie.

 

Der Befall mit diesen Parasiten hat nichts mit dem Steinbruch als Lebensraum zu tun.

Isabel Koch, Wilhelma-Kuratorin für Amphibien

Zu derselben Einschätzung kommt Hubert Laufer. Er ist beim NABU in Offenburg für Amphibien und Reptilien zuständig. „Diese Kröte ist wirklich ganz eindeutig von Parasiten befallen“, sagt er und tippt auf die Krötengoldfliege. „Hätte sie Gift gefressen, würde sie einfach sterben“, erklärt er.

Wie also kommt die Dotternhausener Bürgerinitiative zu ihrer Vermutung?

Die Aktivisten setzen sich mit Nachdruck für ihren Hausberg ein. Aus bürgerschaftlichem Engagement für den Erhalt dieser „einmaligen Berg-, Pflanzen- und Tierwelt“, wie Norbert Majer in seinem jüngsten Schreiben formuliert, ist für sie mittlerweile längst eine selbstgewählte Daueraufgabe geworden. Bürgerbegehren, Bürgerentscheide, Flugblätter, Leserbriefe – kaum einen Weg lässt die Gruppe unversucht beim Kampf um ihr Anliegen. Die Schauplätze dieser Schlacht gegen die Abbauwünsche der Firma Holcim sind mittlerweile mannigfaltig.

Vergangenen Sommer ging es zunächst um die Größe der Abbaufläche, deren Abmessung und deren geplante Aufteilung in zwei Tranchen. Das Zementwerk und die Gemeinde Dotternhausen als Verpächterin der Flächen waren sich handelseinig gewesen. Die BI lief Sturm. Im November allerdings hatte sich das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde in den Streit eingeschaltet. Sie verweigerte die Herausnahme der gewünschten 18 Hektar aus dem Landschaftsschutzgebiet, worauf sich Konzern und Gemeinde geeinigt hatten. Nur auf rund neun Hektar wollte sich das Landratsamt einlassen, mit der Bemerkung, dass es sich dabei immer noch nicht um die spätere tatsächliche Abbaufläche handle. „Aber das reicht für die nächsten zwei Jahrzehnte, und mehr können wir heute nicht verantworten“, erklärte Landrat Günther-Martin Pauli damals.

Kalksteinabbau auf dem Plettenberg.
Kalksteinabbau auf dem Plettenberg. Foto: Archiv

Ein Erfolg für die Aktivisten der Bürgerinitiative: Die Grenzen, für die sie sich mit mittlerweile drei Bürgerbegehren eingesetzt hatten, waren dank des behördlichen Machtworts sogar noch enger gefasst worden. Ruhe kehrte indes nicht ein. Denn längst hatten sich Nebenkriegsschauplätze entwickelt. Beim Sigmaringer Verwaltungsgericht hatte Norbert Majer im Juni 2017 mit 16 weiteren Unterstützern eine Klage eingereicht. Der Altbürgermeister wollte damit verhindern, dass die Quote für Ersatzbrennstoffe von 60 auf 100 Prozent angehoben wird. Das Regierungspräsidium Tübingen allerdings hatte bereits Ende Mai seine Genehmigung vom Februar für vollziehbar erklärt, die Brennstoffquote blieb bei 100 Prozent.

In der Folge verlagerte sich das Hauptaugenmerk auf die angeblich falsch oder unzureichend gemessenen Schadstoffe, die aus den Holcim-Schornsteinen dringen und deren angeblich manipulierbare Übermittlung ans Regierungspräsidium Tübingen. Die BI zitierte Experten für moderne Rauchgasreinigung, die den Einsatz einer katalytischen Anlage forderten. Wenige Zeit später machte das Schlagwort Krebsstatistik die Runde, die die BI in Eigenregie aufbauen wollte, dann kam der Tierschutz zum Tragen.

Zunächst war es die Sorge ums Braunkehlchen, bei dem von Holcim vorgelegte Gutachten angezweifelt wurden. Es würden darin nur 15 Vogelarten aufgezählt, nur eine davon zähle zu den gefährdeten Arten, hatte die BI bemängelt. „Bei dem erwähnten Gutachten handelte es sich um einen Auszug aus dem Umweltbericht zum Regionalplanänderungsverfahren, das gestoppt wurde“, hatte Sabine Schädle, Pressesprecherin der Firma Holcim damals auf Nachfrage erklärt. Die Angaben hätten sich außerdem lediglich auf die Erweiterungsfläche bezogen.

Gutachten zu Vogelarten ist noch nicht veröffentlicht

„Jetzt sind es plötzlich 57 Vogelarten, die gefährdeten werden aber erneut nicht erwähnt, außer dem Neuntöter“, schreibt Norbert Majer in seinem Brief. Er bezieht sich dabei auf das aktualisierte Gutachten des Büros Tränkle, das Holcim für den Antrag zur Süderweiterung vorlegen wird. Das allerdings ist noch nicht veröffentlicht worden.

Im öffentlichen Umweltbericht zur dritten Änderung des Regionalplans mit Stand Oktober 2017 im „Vorranggebiet Abbau“ werden zumindest folgende Vögel gemäß der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt: Der Neuntöter als Brutvogel, der Rotmilan, der Uhu, der Wanderfalke und die Hohltaube als Nahrungsgäste. Der Berglaubsänger und der Schwarzspecht brüten in nahe gelegenen Wäldern, heißt es in dem Bericht weiter.

Die Pflegemaßnahme vom Oktober, die von Mitgliedern des Albvereins, der Firma Holcim und der Gemeinde Dotternhausen auf dem Plettenberg durchgeführt worden war, nennt Majer in seinem Schreiben „eine wilde, strafrechtlich angezeigte Rodungsaktion“, die dazu gedient habe, Nistplätze rechtzeitig zu vernichten. Das Landratsamt sagte uns, dass die untere Naturschutzbehörde erst nach Abschluss des bei der Staatsanwaltschaft anhängigen Verfahrens über die Rechtmäßigkeit der Aktion entscheiden kann. Dort seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Markus Engel.

Nicht nur die Tierwelt beschäftigt die Aktivisten der Bürgerinitiative

Norbert Majer bemängelt in seinem jüngsten Brief weiter: „Die acht von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg erfassten Sonderbiotope nur in der Süderweiterung haben die Experten überlesen, deshalb sind sie auch nicht vorhanden.“ Der Fachbeitrag Tiere und Pflanzen mit Stand Mai 2016 vom Büro Tränkle, der im Rahmen eines immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt wurde, beschreibt jedoch insgesamt sogar 42 geschützte Biotope. Darunter auch die acht, die Norbert Majer uns auf einem Kartenausschnitt zukommen ließ. Auch dieser Fachbeitrag ist öffentlich.

Ebenso prangert der Dotternhausener Altbürgermeister in seinem Schreiben fehlende Mutterbodendeponien an. „Holcim behauptet, es wären genügend vorhanden, man sieht aber keine auf Luftbildern“, sagt er. „Diese Deponien sind nicht riesig“, räumt Sabine Schädle auf unsere Nachfrage ein. Der Oberboden werde in Vorbereitung des Abbaus mit dem Radlader abgeschoben und entweder fachgerecht auf Bodenmieten innerhalb des Steinbruchgeländes zwischengelagert oder direkt für die Rekultivierung verwendet. Im selben Zug räumt Schädle auch mit dem schon älteren Vorwurf auf, die Firma würde mit Boden handeln. „Das ist völliger Quatsch“, sagt sie. „Es wird weder Boden von außen zugefahren noch Boden nach außen abgegeben“, erklärt die Firmensprecherin. Der vorhandene Mutterboden reiche aus für die anstehenden Rekultivierungsmaßnahmen.

Nun also geht es um verkrüppelte Kröten auf dem Berg. Nicht nur die Kuratorin der Wilhelma und der NABU-Experte aus Offenburg sind sich mit ihrer Einschätzung des Zustands der Kröte ziemlich sicher. Es gibt auch belegbare Fakten dafür, dass keine Sprengstoffrückstände den Berg verseuchen. „Wir haben 2015 die Plettenbergquellen für Hausen, Ratshausen und Dotternhausen beproben lassen, weil der Vorwurf schon öfter aufkam“, erklärt Sabine Schädle. Damals hatte die BI Pro Plettenberg selbst auf diese Untersuchung gedrängt. Das Gesundheitsamt in Balingen hatte das Wasser untersucht. Dabei wurden keine erhöhten Werte von Sprengstoffrückständen nachgewiesen, worüber sich die Bürgerinitiative in einer Stellungnahme in unserer Zeitung erleichtert zeigte.

 

Die Behauptung ist hanebüchener Unsinn.

Hans Offenwanger, Diplombiologe

 

Auf die nun trotzdem wiederkehrende Behauptung der BI angesprochen, zeigt sich Diplombiologe Hans Offenwanger vom Büro Tränkle, das die Rekultivierungsmaßnahmen betreut, regelrecht erschüttert. „Zu behaupten, auf dem Plettenberg gebe es verkrüppelte oder gar mutierte Tiere aufgrund von Sprengstoffrückständen, ist hanebüchener Unsinn“, sagte er.

Die aktuellen Tierbestandszahlen wird das Gutachterbüro mit den Antragsunterlagen für die Süderweiterung veröffentlichen. Eben dieses Gutachten für den Antrag muss die Firma Holcim laut Gesetz aus eigener Tasche bezahlen. Dass die BI Offenwanger und seinen Kollegen deswegen stets Gefälligkeitsgutachten unterstellt, gehöre mittlerweile zu seinem täglichen Brot. „Aber wir müssen auch damit umgehen“, sagt Offenwanger.

Dotternhausens Bürgermeisterin Monique Adrian hofft indes, in Kürze die Verhandlungen mit Holcim um die Süderweiterung abschließen zu können. „Dann wär endlich ein Knopf dran“, sagte sie. Dennoch hat der Gemeinderat vorsorglich weitere 50 000 Euro für Rechtsberatung im Gemeindehaushalt eingeplant.

 

In eigener Sache: Die Glaubwürdigkeit der BI leidet

Eine durch Sprengstoffrückstände verkrüppelte Kröte auf dem Plettenberg – das wäre eine Sensation im negativen Sinn. Vermutlich hätte jeder Journalist Interesse daran, zur Aufdeckung eines Umweltskandals beizutragen. Allein – wir sind dazu auf belegbare Fakten angewiesen. In Zeiten von „Lügenpresse“-Vorwürfen müssen wir vor allem eines vermeiden: unsere Leser mit Falschinformationen zu füttern.

Meine Rechercheinstrumente sind denkbar simpel: Ich nutze Telefon und E-Mail. Die Erfahrung in Sachen Bürgerinitiative lehrt mich außerdem, keine an der Sache beteiligten Behörden oder Fachleute zu befragen. Das Misstrauen ihrer Neutralität gegenüber ist zu groß bei den Aktivisten. Der Vorwurf der Käuflichkeit wird offen ausgesprochen.

Die Stuttgarter Wilhelma und der NABU in Offenburg allerdings schienen mir weit genug weg vom Plettenberg und seinen Protagonisten. Auf die Beurteilung des Krötenbildes musste ich bei beiden nur einen Tag warten. Innerhalb weniger Stunden wurde aus der als verkrüppelt bezeichneten Kröte ein schlicht von Parasiten befallenes Tier. Der Skandal? Geplatzt.

Der Vorwurf, Sprengstoffrückstände würden auf dem Plettenberg zur Veränderung ganzer Organismen beitragen, erwies sich nach nur einem Anruf als etwas ganz anderes: als substanzlose Stimmungsmache.

Bürgerinitiativen haben zweifellos ihre Berechtigung. Man darf, ja muss sogar Großkonzernen auf die Finger schauen, Transparenz von ihnen einfordern und Missstände anklagen. Aber man muss auch Fakten als solche akzeptieren und anerkennen, dass auf dem Plettenberg nicht jede Ameise an „Morbus Holcim“ stirbt.

Man kann im Kampf um eine Herzensangelegenheit vieles verlieren: die Nerven, die Geduld, den Mut. Was die BI aber mit solch leicht widerlegbaren und ungeprüft hinausposaunten Behauptungen verliert, ist ihre Glaubwürdigkeit. Und die lässt sich irgendwann nicht wieder herstellen.

 

ZAK-Redakteurin Nicole Leukhardt
ZAK-Redakteurin Nicole Leukhardt

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Plettenbergabbau.

Kommentare unserer Leser

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Absolut keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bürgerinitiativen

Sehr geehrte Frau Leukhardt!

Da haben Sie am letzten Samstag ja eine schöne Breitseite auf die Bürgerinitiativen abgefeuert. Also wir, und damit meine ich die mutmaßliche Mehrheit der Schlichemtäler -und darüber hinaus, denn Sie dürfen sich ja nur mal die Richtung der Rauchfahne des Zementwerks anschauen- , schätzen die Arbeit der Bürgerinitiativen sehr. Denn sie sorgen für Aufklärung und Transparenz. Sie geben uns die Informationen, die uns andernorts oft verwehrt werden. Und: sie haben in der Sache selbst, schon einiges bewirkt.

Daher an dieser Stelle erst mal ein herzliches Dankeschön an die Bürgerinitiativen!

Denn sie machen ihre Arbeit ja nicht nur für sich selbst, sondern für uns alle, für die Öffentlichkeit. Andere Leute gehen in dieser (sicherlich nicht wenigen) Zeit, ihren Hobbys nach.

Frau Leukhardt, ich schätze Ihre Berichterstattung (und Ihre Tagebucheinträge) ansonsten wirklich sehr, aber für diesen unsachlichen Rundumschlag fehlt mir jegliches Verständnis; da vermute ich andere Hintergründe. Was hat Sie dazu nur bewogen???


Als Laie erkenne ich selbst leider nicht, ob es sich bei dem Foto von der Kröte um deren verätzte Augen oder um deren Parasiten-befallene Nasenlöcher handelt.

Und da Herr Majer bei seinem Artikel sicher nicht davon ausging (auch gar nicht davon ausgehen kann), dass Sie diesen ungeprüft veröffentlichen würden, (Sie veröffentlichen doch keine ungeprüften Artikel??! Oder doch?), kann Ihr Vorwurf doch nicht wirklich die Verbreitung von falschen Informationen sein; dem würden Sie sicher einen Riegel vorschieben (und Sie selbst schreiben ja von einer Vermutung Majer‘s). Der ZAK macht sich doch nicht zum Sprachrohr von irgendwem.

Ihr Vorwurf beschränkt sich also eher darauf, dass Herr Majer sich nicht selbst zuerst an die Wilhelma, sondern zuerst an Sie gewandt (und Ihnen damit zusätzliche Arbeit gemacht) hat.
Hierzu sage ich Ihnen, dass ich selbst öfter gerne mal den Rat eines Journalisten zu irgendwelchen Themen einhole, weil diese -und da werden Sie mir kaum widersprechen- auf einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz zurückgreifen können.
Herr Majer musste und ist also davon ausgegangen, dass Sie seinen Artikel überprüfen würden, was Sie dann ja auch getan haben.

Bis hierher ist also alles in Ordnung. Geholfen hätte es natürlich, die Kröte damals als Beweisstück ‚sicherzustellen‘.

Aber vielleicht müsste man auch nur mal genau hinschauen; gut möglich, dass man doch eine kranke Kröte oder ein kranker Molch findet. Warum sind die Stein-/Schieferbrüche heute eigentlich so streng gesichert? Früher, als Kinder, haben wir doch auch unsere Freizeit öfter mal im Schieferbruch verbracht. Etwas zu verbergen?

Dass sich die Bürgerinitiativen gegen die Zerstörung der Natur, gegen die Müllverbrennung, für die Gesundheit von Mensch und Tieren einsetzen, können Sie ihnen doch nicht wirklich zum Vorwurf machen wollen!? Den Aufwand, den diese Leute betreiben, sollte man ihnen ganz im Gegenteil hoch anrechnen!

Und dass sich die Mitglieder der Initiativen und einige andere Bürger durch ihre gewählten Vertreter nicht gut vertreten fühlen und sodann versuchen, sich andernorts Gehör zu verschaffen, ist doch nachvollziehbar; sie sind doch auch Teil der Gemeinde.

Und die Zerstörung der Natur -auf dem Plettenberg, wie in Dormettingen mit dem Ölschieferabbau- betrifft uns doch alle; die Müllverbrennung im Zementwerk noch viel mehr!

Bürgerbegehren und Bürgerentscheide sind hier ein legitimes Mittel demokratischer Mitbestimmung! Wollen Sie dieses den Leuten der Bürgerinitiativen absprechen?

Da frage ich mich bei den manchmal fremdenfeindlichen Leserbriefen in Ihrer Zeitung schon eher, ob das noch durch Recht und Gesetz gedeckt ist. Dies aber nur am Rande.


Die Entscheidung Herrn Pauli’s und seiner Behörde in Sachen Erweiterung der Abbaufläche spricht auch nicht gegen die Ziele und die Arbeit der Bürgerinitiativen. Und wir beide -Sie und ich- können die rechtliche Situation doch gar nicht mehr überblicken. Ich hätte die Situation als einen rechtlichen Schwebezustand bezeichnet, den nur das LRA durch eine einseitige Parteinahme hätte lösen können; ansonsten könnte der Schwebezustand ewig andauern. Herrn Pauli’s Entscheidung - also eine salomonische Entscheidung.

In Sachen Ersatzbrennstoffe, oder ganz einfach Müll, wenn man’s nicht durch die rosarote Brille sehen will, wäre mir und vermutlich vielen anderen Leuten lieber, wenn man den Ofen ganz einfach mit Kohle, einem natürlichen Brennstoff, beheizen würde. Oder wie wär’s mit Gas?
Wer weiß denn schon, welche gefährlichen Stoffe sich aus der Kombination der vielen künstlich hergestellten Materialien im Müll ergeben können, die sich entgegen der Aussage von Herrn Massini eben nicht im Periodensystem der Elemente befinden.

Und die Messung der Schadstoffe, die aus dem Schornstein kommen - naja, da brauchen wir doch eigentlich gar nicht darüber reden Frau Leukhardt; die müsste ganz einfach eine Behörde selbst, d.h. mit eigenem Personal und eigenen Messgeräten messen; unangemeldet oder besser gleich rund um die Uhr. Oder nicht?


Zur Pflegemaßnahme / Rodungsaktion schreiben Sie selbst, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen sind; das LRA erst hiernach entscheiden kann. Was also wollten Sie uns hierzu denn mitteilen?

Nach dem damaligen ZAK-Bericht vom 7. Nov. 2017 „Rodung oder Naturschutz“ bin ich auch neugierig geworden und hatte mal recherchiert.

Hier gibt es sog. Offenland- und Waldbiotope. Auf die Erweiterungsfläche bezogen, bin ich auf 7 sog. Offenlandbiotope gekommen (+3 am Nordrand). Vielleicht hatte Herr Majer ja dies gemeint.

Dann kommt es darauf an, ob man die ganze Plettenberghochfläche und vielleicht noch die Wälder an der Bergkante betrachtet. Wo genau ziehen Holcim und Tränkle die Grenzen? Denn so kämen noch 48 Waldbiotope und 20 -biotöpchen hinzu. Also auch hier kann man Herrn Majer keinen wirklichen Vorwurf machen. Vielleicht ein Verständigungsproblem zwischen Herrn Majer hier und Holcim, Tränkle und ZAK dort? (ist der von Ihnen genannte Fachbeitrag tatsächlich öffentlich? Denn nicht immer bekommen alle Fragesteller alle Informationen! So zumindest meine Erfahrung.)


>>> Sprengstoffrückstände im Trinkwasser? „… keine erhöhten Werte von Sprengstoffrückständen nachgewiesen.“ Was heißt in diesem Zusammenhang „keine erhöhten“?

>>> Diese Beprobungen waren wohl eine einmalige Sache. Müsste man die Quellen nicht dauerhaft genau untersuchen? Meines Wissens wird eine genaue Untersuchung nur einmal im Quartal durchgeführt.

Zitat: „Eben dieses Gutachten für den Antrag muss die Firma Holcim laut Gesetz aus eigener Tasche bezahlen.“ :-)) Ein Schelm, …


>>> Somit dürfte Ihr Vorwurf „Zweifelhafte Methoden im Kampf um den Berg“ und Ihr daraus resultierender Rückschluss, dass die Glaubwürdigkeit der BI leidet, wohl entkräftet sein. :-)

Zum Schluss noch 2 kleine provokative Fragen:

Wäre es nicht eigentlich Aufgabe des ZAKs, die bisher von den Bürgerinitiativen betriebene Aufklärungsarbeit, wahrzunehmen?

Hat Sie vor dem Schreiben Ihres seitenlangen Artikels eigentlich jemand geärgert? ;-)

Günther Scherer, Dormettingen


Sehr geehrter Herr Scherer,

 

herzlichen Dank für Ihre Zuschrift. Man mag gut hinschauen müssen, aber ich habe keineswegs die Arbeit, die Intention oder generell die Sinnhaftigkeit von bürgerlichem Engagement in Frage gestellt. Im Gegenteil: Ich bin froh, in einer Demokratie leben zu dürfen in der Bürger den Mund aufmachen und sich engagieren. In meinem Kommentar hatte ich dies extra betont.

Nur heiligt der Zweck eben nicht die Mittel. Das Krötenfoto war mit dem Hinweis versehen, die BI habe Fachexperten dazu befragt, die Verkrüppelung sei belegt, man gebe schließlich nichts ungeprüft heraus. Mir geht es wie Ihnen: Ich konnte zwar sehen, dass das Tier nicht normal aussieht, maße mir aber kein Urteil über die Art der Erkrankung an. Ich bin Redakteurin, keine Biologin. Daher habe ich unabhängig voneinander zwei Fachleute gefragt. Die Antworten kamen prompt und waren identisch. Ein parasitärer Befall, der sich mit Sprengstoff oder Öl überhaupt nicht in Verbindung bringen lässt. Dies hatte die BI mit keiner Silbe in Erwägung gezogen. Es ist zwar durchaus meine Aufgabe, solchen Behauptungen nachzugehen, allerdings sehe ich mich nicht dafür verantwortlich, der BI den simplen Faktencheck abzunehmen. Telefon und Internet stehen auch den Aktivisten zur Verfügung. Mir wurde das zwei Jahre alte Foto als Beweis für die Auswirkungen von Sprengstoffrückständen verkauft und es war ein leichtes, das zu widerlegen.

Die Rodungsaktion habe ich deswegen erwähnt, weil sie in mehreren Schreiben und Leserbriefen als illegal und als Verbrechen am Naturschutz bezeichnet wurde. Wie Sie richtig sagen, ist das Verfahren immer noch bei der Staatsantwaltschaft anhängig. Über die Legalität der Aktion ist also nicht entschieden. Der Begriff illegal, den die BI benutzt, ist also schlicht falsch.

Die Biotope sind nummeriert. Ich habe die Nummern, die von Herrn Majer kamen, mit denen im Bericht des Büros Tränkle abgeglichen. Diese acht, die er mir zukommen ließ, hat das Büro definitiv erfasst. Und ja, der Bericht ist online, googeln Sie einfach.

Ich möchte umgekehrt einen Denkanstoß geben: Nehmen wir an, ich schreibe über die Grenzwerte des Zementwerks. Ich frage nach den Emissionen und gleiche diese mit den gültigen Grenzwerten ab. Nehmen wir weiter an, ich käme zu dem Ergebnis, alles ist in bester Ordnung. Stellen Sie sich vor, die BI kann dann beweisen, dass das Zementwerk um eine Kommastelle verrutscht ist und ein Grenzwert massiv überschritten wurde. Würden die Aktivisten dann auch sagen, der kleine Lapsus, kann ja mal passieren, war bestimmt keine Absicht?

Und weil Sie die Windrichtung erwähnen: Ich lebe im "Einzugsgebiet" der Emissionen. Ich habe keinerlei Interesse daran, Dinge schön zu schreiben, die nicht schön sind. Aber mit Verschwörungstheorien und Spekulationen, die der Presse als geprüfte Fakten untergejubelt werden sollen, ist der Sache doch beim besten Willen nicht gedient.

Mit freundlichen Grüßen aus der ZAK-Redaktion

Nicole Leukhardt

Josef Scherer, Dormettingen am 08.03.2018 22:58:57

Plettenbergkröte

Juchtenkäfer lässt grüßen!

Werner Heinz, Balingen am 03.03.2018 08:13:40

Plettenbergkröte

Juchtenkäfer lässt grüßen!

Werner Heinz, Balingen am 03.03.2018 08:13:40

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