Narrengericht in Stockach: Thomas Strobl grüßt das Publikum. Foto: Patrick Seeger/dpa
Narrengericht in Stockach: Thomas Strobl grüßt das Publikum. Foto: Patrick Seeger/dpa
Narrengericht in Stockach: Thomas Strobl grüßt das Publikum. Foto: Patrick Seeger/dpa
Narrengericht in Stockach: Thomas Strobl grüßt das Publikum. Foto: Patrick Seeger/dpa

Stockach, Freitag, 9. Februar 2018

Strobl muss sechs Eimer Wein liefern

Richter sprechen in Stockach den angeklagten Innenminister schuldig in allen Punkten.

von PETRA WALHEIM

Wahnvorstellungen und Allmachtsfantasien, unkorrekte Verbrüderung sowie Ahnungslosigkeit und Faulheit. Das waren die Anklagepunkte, gegen die sich der Beklagte Thomas Strobl gestern vor dem Stockacher Narrengericht verteidigen musste. Das tat der Innenminister und Vorsitzende der Landes-CDU mit Bravour, brachte die bessere Hälfte des Publikums zum Toben. Doch es nutzte ihm nichts.

Das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken sprach ihn in allen Punkten schuldig und verurteilte ihn zu einer Strafe von sechs Eimern Wein. Ausnahmsweise werden pro Eimer 41 Liter gerechnet, und nicht wie sonst 60 Liter. Als Auflage gilt, dass der Wein kein Trollinger sein darf. Damit schlug der Versuch Strobls fehl, das Gericht mit der Drohung zu beeinflussen, er werde eine eventuelle Strafe mit Trollinger bezahlen.

Wenn ein Taxifahrer ihn frage, wohin er wolle, sage Strobl: „Egal, ich werde überall gebraucht.“ Dieses und viele andere Beispiele führte der Kläger Thomas Warndorf als Beweise dafür an, dass der Beklagte an Wahnvorstellungen und Allmachtsfantasien leidet. Als Beweis für die unkorrekte Verbrüderung führte der Kläger das leicht veränderte Deckengemälde aus der Sixtinischen Kapelle an, auf dem „glasklar“ – eines der Lieblingworte Strobls – zu sehen ist, wie der Beklagte sich mit Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verbrüdert. Der Beweis für die Ahnungslosigkeit und Faulheit sei die Tatsache, dass Strobl bei Haushaltsberatungen die Zeitung gelesen hatte, wovon es ein Foto gebe.

Der Verteidigungsrede des Fürsprechs Michael Nadig setzte Strobl noch eins drauf und drohte dem Narrengericht, das nur aus Männern besteht, an, es werde „durchgegendert“, also auch mit Frauen besetzt. „Ein Gericht nur aus Männern, das gehört ins Mittelalter.“ Damit zog er zwar die Gunst der Frauen auf seine Seite, sich aber den Zorn des Gerichts zu. Der Saal tobte, die Glocke des Ordners ging im Jubel unter. Winfried Hermann, der als Zeuge zur Verhandlung geladen war, versuchte noch, Strobl zu entlasten. Doch es war vergebliche Liebesmüh. Petra Walheim

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